Der längste Roadtrip meines Lebens

Meine Rundreise entlang der polnischen Ostseeküste in die Masuren, durch das Baltikum bis zum Nordkap und über Dänemark zurück.

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Kaum zurück aus dem bereits frühlingshaften Süden Europas, verbrachte ich nur wenige Tage in Deutschland, bevor es mit meinem Campervan auf den bisher längsten Roadtrip meines Lebens ging. Heute, mit etwas Abstand betrachtet ist es geradezu verrückt, wie viel Eindrücke ich in fünf Monaten auf dieser Reise gesammelt habe.

So unglaublich viel habe ich erlebt. Ecken in Europa erkundet, die bisher noch nicht von den Touristenmassen überrannt wurden. Menschen getroffen, Orte gesehen, mich von einigen nur schweren Herzens getrennt und bei anderen war ich einfach nur froh weiterziehen zu können.

Und was bleibt?

Unglaublich viele Fotos, durch die ich mich noch lange Zeit klicken werde. Atemberaubende Momente in Mitten nahezu unberührter Natur und viele Geschichten, auf die ich zurückblicken und erzählen kann.

In fünf Monaten entlang der polnischen Ostseeküste in die Masuren, durch das Baltikum über Finnland ans Nordkap in Norwegen und über Dänemark zurück – mein Sommer 2018.

Mit diesem Artikel möchte ich dich vor allem an meiner Reiseroute durch den Nordosten und Norden Europas teilhaben lassen. In weiteren detaillierten Beiträgen gebe ich dir wertvolle Tipps und Informationen zu den einzelnen Ländern sowie ausgewählten Sehenswürdigkeiten und meiner Meinung nach lohnenswerten Stopps.

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Polen – ganz anders als gedacht

Etwa 60 Kilometer Luftlinie südlich von der Ostsee entfernt, direkt hinter der Grenze zu Deutschland, beginnt in Szczecin meine bisher längest Rundreise mit meinem Campervan. In einem Land, dass meiner Meinung nach weit weg von all den unsinnigen Klischees und Vorurteilen ist, die man so kennt.

Polen ist anders. Und ein von mir bisher völlig zu Unrecht unterschätztes Reiseland.

Nach einem gut zweitätigen Aufenthalt in Szczecin ging es direkt an die Ostsee nach Kołobrzeg und von dort aus immer der Küsten entlang zu einem gigantischen Naturschauspiel, welches ich so in Polen definitiv nicht erwartet hätte.

Im Slowinzischen Nationalpark gibt es eine riesige Wanderdüne, die eine Fläche von ungefähr 500 Hektar umfasst und deshalb auch als die Sahara Polens bezeichnet wird. Definitiv ein Grund genug meine Schuhe auf einer ausgedehnten Wanderung ordentlich mit Sand zu füllen.

Anschließend fuhr ich direkt nach Danzig weiter. Vorbei an der Halbinsel Hel und der Stadt Gdynia, die mir bisher nicht ausreichend interessant erschienen, um dort einen Zwischenstopp einzulegen.

In Danzig parkte ich meinen Campervan dann für eine Woche auf einem zentrumsnahen Wohnmobilplatz mit guter Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, so dass ich nicht nur Danzig, sondern auch etwas südlich von Gdynia das Klif Orłowski und das Ostseebad Zoppot einfach und schnell erreichen konnte, ohne selbst am Steuer sitzen zu müssen.

Das Klif Orłowski und Zoppot sind durch einen etwa 6 Kilometer langen Küstenweg miteinander verbunden und geradezu prädestiniert für einen Spaziergang mit Blick auf die Danziger Bucht. Mit sommerlichen Temperaturen definitiv auch zum Baden. Absolut lohnenswert!

Nachdem eine Woche wie im Flug vorbei ging, machte ich auf meinem Weg in Richtung Masuren noch einen Zwischenstopp in Malbork. Diese Stadt ist uns Deutschen besser unter dem Namen Marienburg bekannt, in der die gleichnamige Burg steht. Diese gilt bis heute als der größte Backsteinbau Europas.

Auch wenn ich nicht so ein riesiger Fan von Burgen und Schlössern bin, hat mich die Besichtigung der Marienburg absolut beeindruckt. In verschiedenen Ausstellungen wird nicht nur die Geschichte der Burg erzählt, sondern auch über das Leben zu dieser Zeit.

Als letzte Etappe in Polen, erwartete mich die Masurische Seenplatte. Hier genoss ich Anfang Mai zwischen Lötzen, Rydzewo und Mikołajki ein paar Tage am und auf dem Wasser, bevor ich dann nach Litauen weiterzog.

Tipp: Für größere Erkundungen der Region ist ein Fahrrad definitiv von Vorteil!

Du planst eine Reise nach Polen? Mehr Tipps und Reiseberichte findest du hier.

Litauen – der Mittelpunkt Europas

Die Fahrt von Mikołajki in Polen zum Skulpturenpark Grūtas in Litauen dauerte eine gefühlte Ewigkeit und endete dann auch noch mit einem Flop. Schade eigentlich. Ich hatte gehofft, neben den zusammengetragenen Skulpturen aus der Zeit der sowjetischen Besatzung, mehr über die Geschichte Litauens erfahren zu können.

Aber so ist das manchmal, wenn die Erwartungen beziehungsweise Vorstellungen einfach größer als die Realität sind. Was soll’s, da kann man nichts machen. Das gehört zum Reisen dazu.

Bei der groben Planung meiner Rundreise durch Litauen, legte ich Kaunas als nächstes Ziel für mich fest. Diesmal mit deutlich weniger Erwartungen, da ich vorab bei meinen Recherchen nur sehr wenige, für mich nützliche Informationen, über die zweitgrößte Stadt Litauens gefunden hatte.

So habe ich mich einfach überraschen lassen.

Die Überraschung war perfekt. Rückblickend würde ich mich sehr darüber ärgern, wenn ich mich nicht hätte durch die Straßen und über die Plätze der Stadt treiben lassen. So konnte ich am Ende eines vollgepackten Tages mit wunderschönen Eindrücken und Erinnerungen zu meinem Campervan zurückkehren.

Nach zwei Übernachtungen ging es von Kaunas in Richtung Vilnius. Jedoch nicht ohne zuvor einen Zwischenstopp bei der Wasserburg von Trakai einzulegen.

Zum Glück spielte mir auch hier die Jahreszeit in die Karten. Nicht nur, weil Mitte Mai das Wetter mehr als frühlingshaft war, sondern auch, weil die Touristenmassen zu dieser Zeit noch ausblieben. So konnte ich eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten des Baltikums sowie die Straßen von Trakai, mit ihren bunten Häusern, entspannt erkunden.

Am nächsten Tag erwartete mich die Hauptstadt Vilnius, mit ihrer Künstlerkolonie Užupis, zahlreichen barocken Bauwerken und Kirchen. In dieser Stadt gibt es so viele Kirchen, dass sie auch als Rom des Ostens bezeichnet wird. 50 Kirchen soll es in Vilnius geben.

Wie es meistens in Hauptstädten und lebendigen Metropolen ist, begegnet man hier deutlich mehr Touristen. Zumeist sind diese aus Finnland, Deutschland und England angereist.

Kein Wunder, denn Vilnius ist mit dem Flugzeug vergleichsweise einfach zu erreichen. Für Reisende, die eine interessante Metropole abseits der breit ausgetretenen Touristenpfade suchen, ist Vilnius ein super Ziel für ein verlängertes Wochenende. Zugleich ist die Stadt auch ein guter Ausganspunkt für eine Mietwagenrundreise durch das Baltikum.

Nach sechs beeindruckenden Tagen in der Hauptstadt ging es weiter zu einem absoluten Highlight in Litauen, dem Kreuzhügel in der Nähe des kleines Ortes Šiauliai.

Ein spannender und zugleich mystischer Wallfahrtsort an dem, trotz mehrfacher Zerstörung durch die sowjetischen Besatzer, seit Jahrhunderten Kreuze niedergelegt werden. Um an Verstorbene beziehungsweise Ermordete zu gedenken und gleichzeitig ein politisches Symbol gegen die kommunistische Herrschaft zu setzen.

1990, im gleichen Jahr als auch Litauen seine staatliche Souveränität wiedererhielt, versuchten Studenten der Universität Vilnius die Anzahl der Kreuze zu bestimmen. Bei 50.000 Kreuzen hörten sie jedoch auf mit dem Zählen. Kleinere Anhänger mit Kreuzen und Rosenkränze wurden bei diesem Versuch nicht berücksichtigt.

Bevor ich selbst den mystischen Berg bestaunte, hielt ich noch am geographischen Mittelpunkt Europas. Wer hätte gedacht, dass dieser ausgerechnet in Litauen liegt. Gefühlt an einem Ort, der so gar nicht die Mitte Europas sein kann.

Eine weitere lohnenswerte Attraktion auf dem Weg zum Kreuzhügel liegt im Anykščiai Park. Wer schwindelfrei ist, kann hier in einer Höhe von 34m zwischen den Baumkronen spazieren gehen und die Aussicht über den Wald genießen. Da ich Baumkronenpfade sehr mag, legte ich an diesem Tag einen weiteren Stopp ein.

Trotz das die Grenze zu Lettland vom Kreuzhügel nicht weit entfernt war, zog ich noch einmal in den Süden Litauens. Ich wollte zurück an die Ostsee.

Drei Nächte verbrachte ich dann im Nationalpark Kurische Nehrung. Eine knapp 100 Kilometer lange Halbinsel in der Ostsee, die sich Litauen und das russische Kaliningrad teilen. Dort fand ich genau das, was ich brauchte. Traumhafte Sanddünen, kilometerlange Strände und dunkle Kiefernwälder.

Überraschend rief mich die Bürokratie nach Deutschland. Daher musste ich meine Rundreise für eine Woche unterbrechen. Ich parkte mein Auto am gut 60 Kilometer entfernten Flughafen in Palanga, setzte mich in den Flieger und erledigte Zuhause das, was getan werden musste.

Zurück in Litauen machte ich dann genau so weiter, wie ich aufgehört hatte.

Nur 9 Kilometer vom Flughafen entfernt, im kleinen Kurort Šventoji, genoss ich noch ein paar Tage die Ostsee in Litauen. Dieser wunderschöne Küstenabschnitt war dem auf der Kurischen Nehrung sehr ähnlich.

Einfach perfekt, um zu entspannen und mir auf vielen Spaziergängen den Wind durch meine Haare wehen zu lassen, Bernsteine zu sammeln und Ausschau nach Robben zu halten.

Hier gibt es mehr Insidertipps für Litauen!

Lettland – in Zweisamkeit mit der Natur

Für Lettland hatte ich mir keine Reiseroute zurechtgelegt. Entlang der Küstenstraße ließ ich mich daher immer weiter in Richtung Norden treiben.

Der Augenblick zählte – Sonne, Meer und Wind.

Immer wieder legte ich kleine Stopps ein, um einfach die Natur zu genießen. Dass es hier an den Küsten der Ostsee jedoch nicht immer so ruhig und idyllisch war, beweisen die rostigen Hinterlassenschaften der einst russischen Besatzer.

Vor allem in Karosta, ein Stadtteil von Liepāja und ehemaliger Kriegshafen des Russischen Reiches sowie der Sowjetunion, sind die Spuren auch heute noch deutlich sichtbar. Hier glänzen nur die goldenen Kuppeln der Nikolaus Kathedrale.

Zu meinen Highlights zählen diese Küstenabschnitte an der Ostsee jedoch nicht, auch wenn diese nun einmal zu Lettland gehören und von der Geschichte des Landes erzählen.

Mein Weg führte mich daher wieder etwas mehr ins Landesinnere. Genauer gesagt, nach Kuldīga. Dort befindet sich mit einer Breite von 240 Metern Europas breitester Wasserfall, der Ventas Rumba.

Das faszinierende an diesem Wasserfall ist, dass man dort direkt an der Kante auf den rutschigen Steinen entlang balancieren kann. Das Wasser ist oberhalb nicht tief, die Strömung mäßig und bei einer Fallhöhe von um die 2 Meter, wäre ein Absturz ins kühle Nass nicht ganz so tragisch. Zumindest bei sommerlich warmen Temperaturen, wie ich sie zu dieser Zeit hatte.

Aber auch Kuldīga selbst kann sich sehen lassen. In den Straßen der Stadt kam ich mir immer wieder wie in einer Filmkulisse vor. Es wirkte alles so irreal auf mich, obwohl dort Menschen leben.

Ich fuhr weiter in Richtung Nordwestspitze Lettlands zum Slītere Nationalpark am Kap Kolka.

Auf dem Weg dorthin hielt ich erst einmal am Slītere Leuchtturm, der erstaunlich weit im Landesinneren steht. Grund für meinen Halt war der zirka zwei Kilometer lange Naturrundweg, der am Fuße des knallroten Leuchtturms beginnt.

Hier duftet der Wald. Die Vögel singen und riesige Farne gaben mir das Gefühl, in der Wildnis zu stehen.

Wie ich auf dem Rückweg herausfand, befindet sich dieser Trail im ältesten Teil des Slītere Nationalparks. Dieser wurde 1923 gegründet und war viele Jahre für die Öffentlichkeit gesperrt. Zum Schutze der Natur wurde hier zusätzlich ein Boardwalk installiert, auf dem man trockenen Fußes durch das Sumpf- und Waldgebiet läuft.

In diesem Teil des Nationalparks habe ich wohl eine kleine Ewigkeit mit Lauschen und Riechen verbracht. Zog dann aber weiter, um die Natur noch auf dem 6 Kilometer entfernten Pēterezers Nature Trail zu genießen.

Dieser Wanderweg führt durch eine beeindruckende Landschaft aus Dünen und Ebenen, die mit Pinienwäldern bewachsen sind. Wie auf dem Slītere Nature Trail dürfen auch hier Bäume alt werden.

Am Nachmittag fuhr ich weiter zum Kap Kolka, wo die Wellen der Ostsee und die der riesigen Rigaer Bucht aufeinandertreffen. Ein ganz besonderer Schnittpunkt, an dem man die Sonne in der Bucht aufgehen und am Abend in der Ostsee untergehen sehen kann.

Bevor es in die Hauptstadt Lettlands geht, stoppte ich noch in Majori am etwa 26 Kilometer langen Badestrand Jūrmala. Von hier bis ins Zentrum von Riga ist es nur noch ein Katzensprung. Daher wäre Majori auch ein idealer Ort für ein Tagesausflug, um etwas Abstand vom Rummel der Stadt zu bekommen.

Definitiv ein Muss, wenn man in der Nähe von Riga ist.

Die baltische Hauptstadt lockt mit einer prachtvollen Altstadt, die wirklich auffallend sauber ist. Hier gibt es viele aufwendig restaurierte Gebäude im Jugendstil und stilvolle Cafés zu entdecken. Und gigantische Markhallen, in denen ich mich mit köstlichen regionalen Produkten, wie Fisch, frische Beeren und Käse, eindecke.

Riga und seine freundlichen Bewohner machen einen wirklich sehr entspannten Eindruck und lassen mich daher keinen Moment daran zweifeln, dass ich auch hier länger verweilen werden.

Nach einigen fantastischen Tagen in der größten Stadt Lettlands, zieht es mich aber dennoch wieder raus in die Natur.

In kleinen Naturschutzgebieten und dem Gauja Nationalpark finde ich wieder Ruhe und Entspannung fernab großer Touristenmassen. Wie zum Beispiel im Skaņaiskalns Nature Park mit seinen dichten Wäldern und den canyonartigen Einschnitten im Flussverlauf des Salaca.

Insidertipps für Lettland bekommst du hier!

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