Jakobsweg Fitness und Sport
Muss ich für den Jakobsweg sportlich sein?

Niemand möchte auf dem Jakobsweg abbrechen und die Heimreise antreten müssen. Daher erreichen mich oft Nachrichten in denen mir die Frage gestellt wird, ob man für den Jakobsweg besonders sportlich sein muss beziehungsweise sich speziell vorbereiten sollte.

Die Sorge zu scheitern kann ich absolut verstehen. Ist es jedoch völlig unnötig, dass du dich selbst unter Druck setzt und an dir zweifelst.

Aus eigener Erfahrung und aufgrund meiner Beobachtungen, kann ich dir ganz klar sagen, dass du für den Jakobsweg nicht sonderlich sportlich sein brauchst. Ich bin Pilgern begegnet, denen man auf dem ersten Blick nicht zutrauen würde, dass sie den Jakobsweg in voller Länge oder auch nur ihre geplanten Etappen bewältigen würden.

Entgegen allen Vorurteilen und Klischees haben sie es aber geschafft!

Auch mir haben viele meiner Freunde und Bekannten nicht zugetraut, dass ich den Camino del Norte mit seinen über 830km von Irún nach Santiago de Compostela schaffen würde. Und das ich gleich im Anschluss noch einmal 240km auf mich nehme, um den Camino Portugues zu laufen, hätten wohl die Wenigsten erwartet.

Dies hat natürlich auch seinen Grund!

Bin ich nun nicht unbedingt die Person, die für ihre sportlichen Aktivitäten bekannt ist, auch wenn ich gerne und viel in der Natur unterwegs bin. Zudem haben knapp 20 Jahre Bürojob Anzeige bei mir sichtbare Spuren hinterlassen, welche vielleicht im ersten Moment ebenfalls nicht dafürsprechen würden, auf dem Jakobsweg zu pilgern.

Der Camino der Norte, der Küstenweg im Norden von Spanien, hat zum Teil sehr anspruchsvolle Etappen auf denen du viele Höhenmeter bewältigen musst. Solltest du deine erste Langzeitwanderung auf dem Jakobsweg planen, dann empfehle ich dir den Camino Portugues oder auch den Camino Portugues Spiritual.

Da der Alltag eines Pilgers zu 90 Prozent aus Laufen besteht, solltest du dir im Klaren darüber sein, dass du mehrere Tage am Stück laufen können musst – vor allem aus gesundheitlicher Sicht! Anderenfalls macht es wenig Sinn, sich mit dem Gedanken auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern auseinanderzusetzen.

Solltest du vielleicht eine Vorschädigung an Hüfte, Knie- oder Fußgelenk haben, ist es sicher auch nicht falsch dein Pilgervorhaben mit deinem Arzt zu besprechen. Es wäre sonst sehr schade, wenn du dein Ziel nicht erreichen würdest und dich vielleicht sogar im Ausland in ärztliche Behandlung begeben musst.

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Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela

Auf dem Pilgerweg wirst du mit Sicherheit Menschen begegnen, die sportlich sehr aktiv sind und regelmäßig Trainieren gehen. Ironischerweise ist dies jedoch kein Garant dafür auch bis ans Ziel nach Santiago de Compostela oder zum Kap Finisterre laufen zu können. Glücklicherweise sind auch sportlich aktive Pilger nicht davor gefeit aus gesundheitlichen Gründen das Pilgern auf dem Jakobsweg abbrechen zu müssen.

Häufig scheitern sportlich aktive Pilger auf dem Jakobsweg, da sie ihre Leistungsfähigkeit falsch einschätzen. Selbst wenn sie ihren Körper und ihre Ausrüstung sehr gut kennen! Sie überschätzen sich einfach und laufen täglich Etappen zwischen 30, 40 und mehr Kilometern. Diese extreme Beanspruchung des Bewegungsapparates führt dann dazu, dass das Pilgern abgebrochen werden muss.

Ich bin kein Sportmediziner, doch ich kann mir irgendwie nicht wirklich vorstellen, dass es gesund sein kann, täglich einen Marathon zu laufen. Auch wenn diese Distanz in einem Vielfachen der für einen Marathon üblichen Zeit gelaufen wird.

Tipps damit du das Pilgern auf dem Jakobsweg nicht abbrechen musst

Damit du das Pilgern auf dem Jakobsweg nicht abbrechen musst, solltest du dich optimal vorbereiten. Bei deinen Planungen und Vorbereitungen solltest du dir nachfolgende Fragen stellen:

Habe ich die notwendige Ausrüstung?

Nicht nur in der Formel 1 oder beim Biathlon entscheidet die Ausrüstung über Sieg oder Niederlage. Beim Pilgern ist das nicht ganz so, jedoch ist die richtige Ausrüstung ein wesentlicher Bestandteil, für den du dir bei deinen Vorbereitungen unbedingt Zeit nehmen solltest.

Es geht dabei nicht darum besonders leichtes Equipment zu kaufen. Vielmehr aber die richtige Ausrüstung, die zu dir passt. Angefangen bei den wohl wichtigsten Dingen – deinen Schuhen und deinem Rucksack.

Entscheidend ist aber auch die Frage, auf welche Dinge du verzichten kannst und nicht in deinem Rucksack nach Santiago de Compostela tragen möchtest.

Bist du in der Lage regelmäßig längere Distanzen zu laufen?

Wie ich schon einmal in diesem Beitrag erwähnt habe, solltest du in der Lage sein, mehrere Tage am Stück längere Distanzen laufen zu können. Grundsätzlich sollte dir das Laufen, Wandern und Spazieren auch Spaß machen und nicht zur Qual beziehungsweise Pflicht werden.

Zur Vorbereitung auf den Jakobsweg empfehle ich dir nicht nur am Wochenende laufen zu gehen, sondern täglich. Keine Zeit zu haben, ist an dieser Stelle eine wirklich schlechte Ausrede – fange am besten heute noch damit an!

Versuche täglich ein bis zwei Stunden – also ungefähr 10km – zu laufen. Findest du in deinem Alltag mehr Zeit, dann schaden ein paar mehr Kilometer sicher nicht. Übertreibe es jedoch nicht im Vorfeld!

Um meine Schultern und den Rücken an die spätere Belastungen auf dem Jakobsweg durch meinen Rucksack zu gewöhnen, habe ich mir bei meinen Vorbereitungsläufen Gewichte eingepackt. Hierzu habe ich mir ganz einfach gefüllte Getränkeflaschen in meinen Rucksack gepackt.

Beginne nicht gleich mit einem vollen Rucksack. Steigere das Gewicht in deinem Rucksack langsam, bis du ungefähr 10kg mühelos mit dir herumtragen kannst. Ich habe mit 4kg begonnen.

Hast du genügend Zeit zur Verfügung?

Plane deine Zeit auf dem Jakobsweg nicht zu knapp, denn unter Zeitdruck zu pilgern nimmt dir den Spaß und führt dazu, dass du deine täglich zu laufenden Etappen zu lang planst. Hinzu kommt noch, dass du dich den Pilgerwegen entlanghetzt und es einfach nicht richtig genießen kannst – du bist nicht auf der Flucht!

Auch deinen Rückflug solltest du dir nicht gleich buchen. Bleibe flexibel und organisiere deine Heimreise von unterwegs. So kannst du auch auf Unvorhergesehenes, wie mehr Pausentage, gesundheitlicher Zustand und einem längeren Aufenthalt in Santiago de Compostela, flexibel reagieren.

Du bekommst nicht genügend Urlaub, um auf dem Jakobsweg stressfrei pilgern gehen zu können? Dann teile die Strecke auf. Laufe zwei oder drei Wochen und kehre im nächsten Jahr zurück, um bis nach Santiago de Compostela oder Finisterre Anzeige zu pilgern.

Sport für den Jakobsweg - www.jakobsweg-kuestenweg.de
Freude über die Ankunft in Santiago de Compostela

Es gibt jedoch noch eine Sache, die ich dir unbedingt ans Herz legen möchte. Fange noch heute an deine Glieder regelmäßig zu dehnen – Yoga ist hierfür eine prima Sache! Ich habe damit erst auf dem Pilgerweg begonnen, was ich die ersten Wochen schmerzlich bereut habe.

Der Grund, dass ich auf meinem Weg nach Santiago de Compostela mit dem Dehnen der Muskulatur Anzeige begonnen habe war, dass meine Glieder so verkrampft waren, dass ich mich die ersten zwei Wochen nur unter Schmerzen so richtig bewegen konnte. Vor allem in den Herbergen war es immer wieder ein Kampf aus der obersten Etage des Hochbetts zu kommen.

Doch ich habe es geschafft bis nach Santiago de Compostela zu laufen. Wenn ich das geschafft habe, dann schaffst du das auch!

Noch nicht alle Fragen geklärt? Dann hinterlasse einfach deine Frage als Kommentar.

Hier gleich weiterlesen:

4 Gedanken zu “Muss ich für den Jakobsweg sportlich sein?”

  1. Hallo

    Du hast mir die letzten Zweifel genommen .

    Ich weiß nicht warum, aber seit drei Monaten spukt mir der Jakobsweg im Kopf herum und ich möchte,nein ich will den portugiesischen Weg gehen.

    Nun bin ich überall auf der Suche nach Informationen und jeden Tag kommen neue Fragen auf.
    Denkst du ,es ist okay allein zu laufen?
    Habe mich geradezu einem portugiesischen Sprachkurs angemeldet.
    Deinen Tip mit den Dehnübungen werde ich mir zu Herzen nehmen.
    Lieben Dank für deine Tips

    Liebe Grüße Karin (60 Jahre )

    • Hallo Karin!

      Es freut mich sehr zu hören, dass die letzten Zweifel weg sind und du nun auf dem portugiesischen Jakobsweg pilgern gehen wirst.

      Ich kann es gut verstehen, wenn einem eine Idee im Kopf herumspukt und man es kaum erwarten kann diese dann auch in die Tat umzusetzen. So erging es mir auch jahrelang bis ich dann endlich auf dem Camino del Norte in Richtung Santiago de Compostela gestartet bin.

      Natürlich ist es mehr als okay auf dem Jakobsweg alleine pilgern zu gehen! Wenn das nicht sogar der beste Weg zu sich selbst ist beziehungsweise die Pilgerreise zu genießen.

      Im Grunde wirst du auf diesem Weg auch gar nicht alleine sein, wenn du das nicht willst. Spätestens in den Herbergen ergeben sich immer wieder Gelegenheiten mit Menschen in Kontakt zu kommen und neue Bekanntschaften aber auch Freundschaften zu schließen. Das Alter spielt dabei absolut keine Rolle!

      Alleine bin ich mit dieser Meinung übrigens absolut nicht. Schau mal auf dem Blog von Claudia vorbei, die über ihren Jakobsweg auch einen kurzen Artikel in der Mitarbeiterzeitung der Evangelischen Heimstiftung geschrieben hat. Ebenso bei Peter, der auf seinem Blog in mehreren Beiträgen seine Erfahrungen auf dem Camino Francés mit uns teilt.

      Ich wünsche dir für den Caminho Portugués alles Gute! Und lass einfach mal hören, wie es dir ergangen ist. Und zögere bitte nicht, deine Fragen weiterhin als Kommentar hier zu veröffentlichen.

      Buen Camino, Torsten …

  2. Hallo lieber Torsten,

    Zuerst mal danke für den tollen Artikel.
    Ich bereite mich nun schon seit einem Jahr darauf den Camino del Norte zu gehen. Die Muskeln werden schon fleissig gedehnt, vlt sollte ich da noch richtig mit Yoga anfange :).
    Ich starte allein in April 2019. Muss zugeben, dass ich immer noch ein bisschen ängstlich bin, wenn es darum geht ganz alleine unterwegs zu sein. Ich bin gespannt auf die Erfahrungen und hoffe, dass alles gut wird. :)
    Kurz zu meiner Frage, ich habe hie und da gelesen, dass streunende Hunde am Camino del Norte unterwegs sind. Würdest du mir eine Hundepfeife empfehlen?
    Hattest du schon mal auf dem Weg Zweifel, warum du das machst? Wenn ja, was war deine Motivation weiterzumachen?
    Würde mich auf eine Rückmeldung freuen.
    Alles Gute und liebe Grüsse
    Aleksandra

    • Hallo Aleksandra!

      Erst einmal vielen lieben Dank für dein Feedback zu meinem Artikel. Es freut mich immer wieder zu lesen, dass ich Menschen mit meinen Worten erreiche und sie so bei ihren Vorbereitungen auf dem Jakobsweg unterstützen kann.

      Ich muss zugeben, dass ich in Sachen Hunde ein richtiger Schisser bin. Unschöne Erfahrungen in meiner Kindheit lassen mich da in verschiedenen Situationen auch heute noch zusammenzucken.

      Auf dem Camino del Norte bin ich nur einmal in die Situation gekommen streunenden Hunden zu begegnen. Zum Glück waren die sehr relaxt und haben mich einfach passieren lassen. Jedoch gibt es viele Wachhunde an teils langen Ketten, welche ihre Grundstücke kläffend bewachen. Als Pilger nicht immer spaßig!

      Allerdings solltest du dir deshalb nicht die Freude am Pilgern nehmen lassen und die Zeit auf dem Jakobsweg genießen.

      Eine Hundepfeife würde dir im Ernstfall vermutlich nichts bringen. Und wenn es ganz blöd läuft, lockst du damit noch 20 weitere Hunde an, da diese auf eine Hundepfeife trainiert sind. Daher solltest du dir das Geld in eine solche Investition sparen.

      Eine gute Quelle für die Funktionsweise solcher Hundeabwehrgeräte Anzeige sind immer wieder die Kommentare in den Amazon Rezessionen.

      Die Frage nach dem Warum habe ich mir auf dem Jakobsweg wahrlich nie gestellt. Allerdings schon die ein oder andere Nacht wach gelegen und mich gefragt, ob ich diesen bis zum Ende schaffen werde.

      Gerade in den ersten beiden Wochen schmerzte mein Körper ordentlich, so dass es zum Teil sehr mühsam war in die oberste Etage des Stockbetts zu kommen. Mit derart verkrampften Muskeln habe ich nicht gerechnet!

      Bis ich eben dann darauf gekommen bin, meinen Körper ebenfalls am Abend zu dehnen. Wie viele andere Pilger auch. Daher meine Empfehlung schon vorab seine Muskeln regelmäßig zu dehnen. Yoga ist da sicher auch eine super Sache!

      Ich muss dazu sagen, dass ich quasi vom Bürostuhl auf den Jakobsweg gegangen bin. Bis auf meine regelmäßigen Vorbereitungsläufe habe ich zuvor mit Sport nicht wirklich etwas zu tun gehabt.

      Gerade stelle ich mir die Frage, ob ich wirklich das Pilgern auf dem Jakobsweg abgebrochen hätte. Vermutlich nicht. Eher hätte ich mir irgendwo eine schöne Unterkunft gesucht und mich irgendwie wieder fit gemacht. Oder die Etappen einfach kürzer gesteckt, bis ich mich hätte wieder ordentlich bewegen können.

      Ich hatte ja Zeit. Nichts drängte mich den Jakobsweg innerhalb einer bestimmten Zeit zu laufen. Ob 42, 50 oder 60 Tage. Es war ja mein Jakobsweg und ich somit niemanden Rechenschaft schuldig.

      Zumal der Traum den Camino del Norte zu laufen viele Jahre in mir brannte ich mir diesen unbedingt erfüllen wollte.

      Auf meinem Blog gib es noch zwei Artikel zum Thema alleine reisen. Vielleicht hast du diese aber auch schon beim Stöbern gefunden.

      Ich wünsche dir ganz viel Spaß auf dem Jakobsweg!

      Liebe Grüße, Torsten …

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